Sie haben es der Presse entnommen: Nokia wird in Zukunft auf Windows Mobile 7 als Plattform für seine Smartphones setzen. Ergänzt wurde diese Ankündigung von einem halbgarem Bekenntnis zu “ein bisschen Weiterentwicklung” der bestehenden Systeme (Symbian, Meego). Soweit so schlecht.
Vor nunmehr gut 2 Jahren habe ich für ein renommiertes Consultingunternehmen eine Analyse zu Mobilen Plattformen für Smartphones und deren Zukunft erstellt. Die zwei wesentlichen Ergebnisse damals (Windows Mobile 7 war noch nicht in Sicht): Das Hardware-Design wird sich zunehmend an ARM-Chipsets orientieren und der Rest des Business wird Software-zentriert werden. Unsere Prognose damals: Alles was nicht Apple oder Android ist wird harten Zeiten entgegengehen… (ich hätte von meinem Honorar ARM-Aktien kaufen sollen, aber das gehört nicht hierher).
Windows Mobile verharrte damals in einer Sackgasse mit Version 6.x
Was aus dem (komplett neu entwickelten) Windows Mobile 7 wird wage ich heute nicht zu prognostizieren. Ich fürchte aber, es wird einen scharfen Preiswettbewerb geben – getrieben von Android und das wird Nokia nicht beliebig lange durchhalten.
Nur so zum Vergleich: An einem Schweizer Kiosk bin ich unlängst auf Werbung für ein Android-Smartphone für CHF 100 gestossen. Für viel viel weniger als 100 Euro bekommt man ein “ZTE San Francisco” – ein Gerät das nach Datenlage und Testberichten im Internet (in Deutschland habe ich es noch nicht gesehen) ein mehr als ausreichend leistungstarkes Smartphone ist. Die Chinesen machen es mal wieder vor.
Was will Nokia da entgegensetzen? Zumal man ja vermutlich noch Lizenzgebühren an Microsoft je Gerät zahlen muss…
Und was ist mit jetzt aktuellen und gerade angekündigten Nokia-Smartphones? Wird die noch jemand kaufen? WinMobile7 ist ja noch in keinem Modell aus der finnischen Handykollektion…
Die einzigen die es nicht interessiert sind scheinbar die Vertu-Kunden.
Zu Erinnerung. Unter der Marke “Vertu” verkauft Nokia Telefontechnik von gestern an wohlhabende und/oder statusbewusste Endverbraucher. Ein bisschen Leder, Edelstahl und Keramik veredeln die gewöhnliche Nokia-Grossserientechnik zum Luxustelefon für das dann 4.xxx€ aufwärts fällig werden.
Das war solange kein Problem, so lange es sich in der Basis um “DumbPhones” handelte – ein bisschen das Menue neugestalten und besondere Klingeltöne komponieren das war alles was man an der Software umgestrickt hat. Dazu ein Button zu einem “Concierge-Service” – als ob der Käufer eines solchen Telefons keine eigene Assistenz hat sondern dafür ein Callcenter braucht. Fertig.
Aber auch die (Neu-)Reichen brauchen mal sowas wie “Mobile eMail” und so gibt es seit kurzem das Constellation Quest.
Ein Symbian-Smartphone aus der Nokia E-Serie im Luxusoutfit – mehr nicht. Laut Aussage des Vertu-Shops auf der Frankfurter Goethestrasse verkauft sich das gut 6.XXX€+ Euro teure Gerät hervorragend und je nach Variante ist sogar mit Wartezeit zu rechnen. Aber wie lange noch hält die Nische für Leute die Reich sind UND keine Ahnung von Technik haben? Haben die Nutzer des Quest noch nie ein iPhone, ein Blackberry Torch, ein Top-Android-Phone gesehen???